DerRotsohler-Collage

Der Rotsohler

Der Rotsohler

Auf der Hohe Veitsch liegt schweres Gewölk, über die Rotsohl jagt kalter Sturmwind, wirft sich ins Tal, pfeift um die Häuser und rüttelt an den Fensterläden, dass die Kinder in der Stube sich gerne um den warmen Ofen drängen und heimlich tuschelnd vom Rotsohler erzählen, der nicht mehr lange ausbleiben kann.

Es ist der alte Krampus, auf den sich die Kinder schon freuen und doch auch fürchten, denn schließlich nehmen sie Mutters Drohungen vom Rotsohler, der sie holen wird wenn sie nicht brav folgen, doch zum Teil ernst.

Eine gefährliche Zeit! Im Sommer freilich ist man sicher vor ihm, da ist ja die Sennerin oben auf dem Rotsohl und hat den sich unbändig Gebärdenden mit einer Kette an das Nikolokreuz angehängt und wenn er gar zu sehr tobt und daran reißt und schon hinunter will ins Tal, da gibt sie ihm eine Schüssel Milch und er kommt wieder zur Ruhe.

Ist aber der Herbst gekommen und nimmt die Sennerin Abschied von der Alm, so gibt sie ihm noch ein letztes Schüsserl Milch, dann aber hat der Rotsohler keine Ruh mehr. Er wird ganz Wild und reißt so lange an der Kette, bis er frei ist und stürmt ins Tal. Ein Schreck für alle schlimmen Kinder.

Auch heute gehen am Nikolausabend in der Veitsch noch immer die Rotsohler mit ihrem gütigen Begleiter, dem Nikolaus, von Haus zu Haus.

Der Rotsohler hat zwar heute nicht mehr den echten Pferdefuß wie früher, aber sein Erscheinen lässt sogar jetzt noch so manch schlimme Kinder wenigsten gute Vorsätze fassen.